documenta 15 – press conference -Artist Direction ruangrupa from Jakarta

For the first time in history of documenta an artist collective curates the international art exhibition in Kassel. ruangrupa a ten-member team of creatives and artists from Jakarta where announced at the press conference on February the 22nd 2019. Here you can find the whole press conference. Please use the timestamps to jump to the Person of your interest. The press conference was mainly held in German language. Only Elvira Dyangani Ose and the curators from ruangrupa collective spoke in English. We wish you an interesting view.

Ade Darmawan and Farid Rakun from ruangrupa
Ade Darmawan and Farid Rakun from ruangrupa

Erstmals in der Geschichte der documenta kuratiert ein Kollektiv die internationale Kunstausstellung. ruangrupa aus Jakarta umfasst zehn Mitglieder an Kreativen und Künstlern und aus Jakarta. Auf der Pressekonferenz am 22. Februar 2019 wurden sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die erste Pressekonferenz der documenta 15 präsentierte die neue Künstlerische Leitung.
Die erste Pressekonferenz der documenta 15 präsentierte die neue Künstlerische Leitung.

ruangrupa übernimmt Künstlerische Leitung der documenta 15

Das aus Jakarta stammende Kollektiv ruangrupa ist heute von der internationalen Findungskommission zur Künstlerischen Leitung der documenta 15 berufen worden. In einer einstündigen Pressekonferenz, haben sich zwei Mitglieder des zehnköpfigen Kollektivs vorgestellt. Die Pressekonferenz stellen wir kommende Woche im Kanal komplett zur Verfügung. Seht heute erste Stimmen zur Entscheidung. Für artort.tv kamen zu Wort Bernd Leifeld, ehemaliger Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH (1996-2014), Dr. Sabine Schormann, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Elvira Dyangani Ose, Mitglied der Findungskommission documenta 15 und Direktorin The Showroom London, sowie Oberbürgermeister der documentastadt Kassel Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH.

Pressekonferenz der documenta 15 Findungskommission
Pressekonferenz der documenta 15 Findungskommission

Der komplette Pressetext der documenta 15 zur heutigen Entscheidung lautet:

ruangrupa übernimmt Künstlerische Leitung der documenta 15
Erstmals kuratiert ein Künstler*innenkollektiv die Weltkunstausstellung

ruangrupa, ein im Kern zehnköpfiges Kollektiv aus Künstler*innen und Kreativen aus dem indonesischen Jakarta wurde von der internationalen Findungskommission einstimmig zur Künstlerischen Leitung der documenta 15 ausgewählt und vom Aufsichtsrat berufen. Dies gab die Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, am heutigen Freitag in Kassel bekannt.

Die documenta wird in ihrer fünfzehnten Ausgabe damit erstmals von einem Künstler*innenkollektiv ausgerichtet. Sie findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt.
Für die achtköpfige Findungskommission begründeten Elvira Dyangani Ose (Direktorin von The Showroom, London) und Philippe Pirotte (Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, und Direktor Portikus, Frankfurt am Main) die einstimmige Wahl wie folgt: „Wir ernennen ruangrupa, weil sie nachweislich in der Lage sind, vielfältige Zielgruppen – auch solche, die über ein reines Kunstpublikum hinausgehen – anzusprechen und lokales Engagement und Beteiligung herauszufordern. Ihr kuratorischer Ansatz fußt auf ein internationales Netzwerk von lokalen Community-basierten Kunstorganisationen. Wir sind gespannt, wie ruangrupa ein konkretes Projekt für und aus Kassel heraus entwickeln wird. In einer Zeit, in der innovative Kraft insbesondere von unabhängigen, gemeinschaftlich agierenden Organisationen ausgeht, erscheint es folgerichtig, diesem kollektiven Ansatz mit der documenta eine Plattform zu bieten.“

ruangrupa kann aus dem Indonesischen mit „Raum der Kunst“, oder auch „Raum-Form“ übersetzt werden. Ein Spannungsfeld, indem sich der zentrale kuratorische Ansatz des Kollektivs bereits andeutet. Farid Rakun und Ade Darmawan, die ruangrupa heute in Kassel vertraten, formulieren ihren dezidiert partizipativen kuratorischen Anspruch für die Weltkunstausstellung 2022: „Wir wollen eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform schaffen, die über die 100 Tage der documenta 15 hinaus wirksam bleibt. Unser kuratorischer Ansatz zielt auf ein anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcen­nutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen. Wenn die documenta 1955 antrat, um Wunden des Krieges zu heilen, warum sollten wir nicht versuchen, mit der documenta 15 das Augenmerk auf heutige Verletzungen zu richten. Insbesondere solche, die ihren Ausgang im Kolonialismus, im Kapitalismus oder in patriarchalen Strukturen haben. Diesen möchten wir partnerschaftliche Modelle gegenüberstellen, die eine andere Sicht auf die Weltermöglichen.“

Das Kollektiv gründete sich im Jahr 2000 in Jakarta, Indonesien. ruangrupa betreibt einen Kunstraum in South Jakarta und realisiert Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Rundfunkformate. Das Kollektiv war an vielen Kooperations- und Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter an Ausstellungen wie der Gwangju Biennale (2002 und 2018), der Istanbul Biennale (2005), der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), der Singapore Biennale (2011), der São Paulo Biennale (2014), der Aichi Triennale (Nagoya, 2016) und Cosmopolis im Centre Pompidou (Paris, 2017). Im Jahr 2016 kuratierte ruangrupa TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnheim, Niederlande. Im Jahr 2018 gründeten die Akteure GUDSKUL, ein Bildungs- und Vernetzungsprojekt für Kreative, das auf kooperativer Arbeit basiert. Bei der documenta 14 war ruangrupa mit ihrem Internetradio als Partner des dezentralen Radioprojekts Every Time a Ear di Soun beteiligt, das vom 8. April bis zum 17. September 2017 acht Radiosender weltweit vernetzte.
ruangrupa ist einen gemeinnützige Organisation. Mindestens ein Mitglied der Organisation wird für die Vorbereitung der documenta 15 seinen Lebensmittelpunkt nach Kassel verlegen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der documenta und Museum Fridericianum gGmbH Oberbürgermeister Christian Geselle begrüßt die Wahl der Findungskommission: „Für ruangrupa ist das Prinzip des Netzwerkens zentral. Von Kassel ausgehend werden interdisziplinäre künstlerische Interventionen initiiert: sie lassen die documenta Stadt international sichtbar werden und holen gleichermaßen die (Kunst-) Welt nach Kassel. Unsere Stadt kann dabei nur gewinnen. Nun freue ich mich, dass die documenta auf solch spannende Weise den Blick in die Zukunft richtet.“

Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn betont: „Ich freue mich schon heute darauf, dass in drei Jahren mit der documenta 15 in Kassel wieder die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst stattfinden wird. Das Land Hessen ist stolz darauf, diese Plattform für die Diskussion um Positionen der Kultur von heute und Perspektiven für die Zukunft zu ermöglichen. Mit dem Ausbau des documenta archivs zu einem unabhängigen Forschungsinstitut werden wir die zeitgenössische Kunst in Kassel weiter stärken. Ich beglückwünsche die Findungskommission, die das indonesische Künstlerkollektiv ‚ruangrupa‘ für die künstlerische Leitung der nächsten documenta vorgeschlagen hat und freue mich, dass der Aufsichtsrat diesem Vorschlag gefolgt ist. Die documenta gibt damit bewusst den außereuropäischen Blick auf die Kunstwelt Raum und bringt auf ganz neue Art die Welt nach Hessen. Ruangrupa nutzt Kunst in ihrer Heimat, um öffentliche Angelegenheiten und Probleme zum Thema zu machen. Ich bin gespannt, wie sie diese Idee in die documenta 15 einfließen lassen.“

Hortensia Völckers, Leiterin der Kulturstiftung des Bundes blickt gespannt auf die weitere Entwicklung des Konzeptes: „Als Kulturstiftung des Bundes haben wir uns sehr über den erfolgreichen Verlauf des Findungs­prozesses für die Künstlerische Leitung der documenta 15 gefreut und beglückwünschen alle Beteiligten zu einem Ergebnis, das eine interessante und anregende documenta erwarten lässt. Wir freuen uns, Teil dieses Prozesses zu sein und unsere Expertise für ein so renommiertes Ausstellungsprojekt einzubringen.“

Sabine Schormann würdigt den großen Einsatz aller Mitglieder der Internationalen Findungskommission: „Mein Dank gilt der Internationalen Findungskommission für einen engagierten und intensiven Auswahlprozess, der mit der Präsentation von ruangrupa als Künstlerischer Leitung ein starkes Signal für eine lebendige und nachhaltig wirkende documenta 15 sendet. Nun freue mich darauf zu erleben, wie die partizipativen Ansätze im Prozess konkretisiert werden.“

Die Findungskommission der documenta 15 setzt sich aus folgenden Expert*innen zusammen: Ute Meta Bauer, Ute Meta Bauer, Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art Singapore, Charles Esche, Direktor Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlande; Amar Kanwar, Künstler, Dokumentarfilmer, Neu-Delhi, Indien; Frances Morris, Direktorin Tate Modern London, Großbritannien; Gabi Ngcobo, Kuratorin 10. Berlin Biennale 2018, Deutschland (Südafrika); Elvira Dyangani Ose, Direktorin The Showroom London, England; Philippe Pirotte, Rektor Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Deutschland (Belgien); Jochen Volz Direktor Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brasilien

English Version

ruangrupa Selected as Artistic Direction of documenta 15
For the First Time an Artist Collective Curates the International Art Exhibition

Nominated unanimously by the International Finding Committee the Supervisory Board appointed ruangrupa, a collective of artists and creatives from Jakarta, Indonesia, with a ten-member core as the artistic direction of documenta 15. This was announced by the general director of documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Dr. Sabine Schormann, today.

As a result, documenta will be organized by an artist collective for the first time. documenta 15 takes place from 18 June to 25 September 2022 in Kassel.

For the eight-member Finding Committee, Elvira Dyangani Ose (director of The Showroom, London) and Philippe Pirotte (director of the Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule, and director of Portikus, Frankfurt am Main) gave the following reasons for the unanimous decision: “We have appointed ruangrupa because they have demonstrated the ability to appeal to various communities, including groups that go beyond pure art audiences, and to promote local commitment and participation. Their curatorial approach is based on an international network of local community-based art organizations. We are eager to see how ruangrupa will develop a concrete project for and from Kassel. At a time when innovative strength particularly stems from independent organizations active on the community level, it seems only logical to offer this collective approach a platform with documenta.”

The Indonesian word ruangrupa loosely translates as “a space for art” or “a space form.” This field of tension is already apparent from the collective’s central curatorial approach. Farid Rakun and Ade Darmawan, who represented ruangrupa today in Kassel, formulated their decidedly participatory curatorial goals for the international art exhibition in 2022 as follows: “We want to create a globally oriented, cooperative, interdisciplinary art and culture platform that will have an impact beyond the 100 days of documenta 15. Our curatorial approach aims at a different community-oriented model of resource usage – economical, but also taking ideas, knowledge, programs and innovations into account. If documenta was launched in 1955 to heal war wounds, why shouldn’t we focus documenta 15 on today’s injuries, especially ones rooted in colonialism, capitalism, or patriarchal structures, and contrast them with partnership-based models that enable people to have a different view of the world.”

The collective was founded in 2000 in Jakarta, Indonesia. ruangrupa runs an art space in South Jakarta and realizes exhibitions, festivals, publications and radio formats. The collective has participated in many cooperation and exhibition projects, including the Gwangju Biennale (2002 und 2018), the Istanbul Biennale (2005), the Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), the Singapore Biennale (2011), the São Paulo Biennale (2014), the Aichi Triennale (Nagoya, 2016) and Cosmopolis at Centre Pompidou (Paris, 2017). In 2016, ruangrupa curated TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnhem, the Netherlands. In 2018, the participants founded GUDSKUL, an educational and networking project for creatives based on cooperative work.
At documenta 14, ruangrupa participated with its internet radio station as a partner of the decentralized radio project Every Time a Ear di Soun, which brought together eight worldwide radio stations. ruangrupa is a nonprofit organisation. At least one member of the organisation will spend a lot of time in Kassel for the preparation of documenta 15.

The Chairman of the Supervisory Board of documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Lord Mayor Christian Geselle, welcomed the Finding Committee’s selection:
“For ruangrupa, the principle of networking is of central importance. From Kassel, interdisciplinary artistic interventions will be initiated, which will make the documenta city visible internationally and bring the (art) world to Kassel, as it were. Our city can only benefit from this. I am pleased that documenta is looking to the future in such an exciting way.”

The Hessian Minister of Higher Education, Research and the Arts, Angela Dorn, stresses the potential of social debate: ” I am already looking forward to the fact that in three years, with documenta 15, Kassel will again be hosting the world’s most important contemporary art exhibition. The state of Hesse is proud to enable this platform, which promotes discussion of cultural positions today as well as perspectives for the future. With the expansion of the documenta archive into an independent research institute we will further strengthen contemporary art in Kassel. I congratulate the Finding Committee, which proposed the Indonesian artist collective for the artistic direction of the next documenta, and am pleased that the Supervisory Board followed this suggestion. With the selection, documenta is consciously giving room to the non-European view of the art world and bringing the world to Hesse in a completely new way. ruangrupa uses art in its home country to address public issues and problems. I’m looking forward to seeing how they incorporate this idea in documenta 15.”

Hortensia Völckers, director of the German Federal Cultural Foundation, is eagerly looking forward to seeing how the concept is developed further: “As the German Federal Cultural Foundation, we were very pleased about the successful course of the process to find the artistic direction of documenta 15 and congratulate all participants on a result that makes us expect an interesting and inspiring documenta. We are happy to be part of this process and to be able to contribute our expertise to such a renowned exhibition project.”

Sabine Schormann paid tribute to the great commitment of all members of the international Finding Committee: “I would like to thank the international Finding Committee for a dedicated and intensive selection process, which with the presentation of ruangrupa as Artistic Direction sends a strong signal for a vibrant and sustainable documenta 15. I am looking forward to seeing how the participatory approaches are made more specific in the development process.”

The Finding Committee for documenta 15 is composed of the following experts:
Ute Meta Bauer, founding director, NTU Centre for Contemporary Art Singapore; Charles Esche, director of the Van Abbemuseum in Eindhoven, the Netherlands; Amar Kanwar, artist and documentary filmmaker, New Delhi, India; Frances Morris, director of Tate Modern in London, Great Britain; Gabi Ngcobo, curator of the 10th Berlin Biennale 2018 in Germany (South Africa); Elvira Dyangani Ose, director of The Showroom London, England; Philippe Pirotte, director of the Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt/M., Germany (Belgium); Jochen Volz, director of Pinacoteca do Estado de São Paulo, Brazil.

documenta 14 Hiwa K – View from Above

Am heutigen Tag – 22. Oktober 2018 – jährt sich die Zerstörung der documentastadt Kassel zum 75. Mal. Grund für uns eine Arbeit der documenta 14 in Erinnerung zu rufen, die eine Brücke zu den Ereignissen in der Geschichte zu schlagen versucht. Der aus dem Irak stammende Künstler und Arnold Bode Preisträger 2016 Hiwa K hat mit seiner Videoarbeit View from Above im Stadtmuseum Kassel die Geschichten in Verbindung gesetzt.

Hiwa K bedient sich in seiner Videoarbeit einem Modell des zerstörten Kassels
Hiwa K bedient sich in seiner Videoarbeit einem Modell des zerstörten Kassels

Wir waren vor Ort und wünschen spannende Erkenntnisse.

Der Obelisk und Die Freiheit der Kunst

In der documentastadt Kassel überschlagen sich die Ereignisse! Für uns das ermittelnde Team am Tatort der Kunst keine leichte Aufgabe. Heute versucht Stephan Haberzettl einen Überblick über den Stand der Dinge in Kassel zu geben. Das gerade die Kunstfreiheit in der Heimat der Weltkunstschau nun unter die Räder gekommen ist lässt uns bei artort.tv nicht kalt und wir klären auf.

Freiheit der Kunst bedeutet sie so zu akzeptieren, wie vom Künstler erschaffen. Änderungen wie Standort oder im Aussehen sind vom Grundgesetz geschützt
Freiheit der Kunst bedeutet sie so zu akzeptieren, wie vom Künstler erschaffen. Änderungen wie Standort oder im Aussehen sind vom Grundgesetz geschützt

Im Kanal findet Ihr auch weitere Filme zum Obelisken u.a. ein Interview mit dem Künstler Olu Oguibe. Wir wünschen interessante Erkenntnisse!